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Hamas muss wieder an den Verhandlungstisch Drucken
Wo ich lebe, wird Optimismus wie eine nicht zurechnungsfähige Bedingung behandelt. Aber ein Treffen mit Hamasführern vor kurzem gab mir für die Zukunft Hoffnung. Lange - und zuweilen aus gutem Grund -  als engstirnig und doktrinär dargestellt, hat die gewählte Regierung des Gazastreifens damit begonnen, aus der Bunkermentalität aufzutauchen und  sich mit der Außenwelt zu befassen.
Die israelischen Militärstrategen meinen, es sei ihr Verdienst. Sie wollen, dass wir glauben, der massive Angriff im Winter, der fast 1500 Tote und Milliarden Dollars an Schaden verursacht hat, brach den Willen des islamischen Widerstands.
Trotz Behauptungen, die von den Theologen von roher Gewalt gemacht wurde, ist es eher eine offene Hand als eine Faust, die den Unterschied gemacht hat. Präsident Barack Obama hat der muslimischen Welt in einem Geist echter Gegenseitigkeit die Hand entgegengestreckt. Hamas nimmt die in Kairo ausgesprochenen Worte ernst: „ Es muss eine anhaltende Bemühung geben, einander zuzuhören, von einander zu lernen, einander zu respektieren und eine gemeinsame Basis zu finden.“
Zwei Monate nach dieser historischen Rede wartet Hamas noch immer, dass den Worten Taten folgen. Doch mehrere gut informierte Amerikaner, die ich während ihrer Besuche im Gazastreifen traf, sagen mir, dass der Ball nun im Hof von Hamas liege. Sie sagen, ein Dialog kommt nicht zustande, wenn die Hamas  nicht die ersten Schritte macht und Obama etwas in der Hand hat, dass er politisch verkaufen kann.
Ich kann die Logik verstehen. Die gut organisierten pro-Israel-Lobby-Gruppen in den USA machen sich lustig über den gefährlich naiven Obama.  Um Anklagen zu widerlegen, zu entkräften, geht er mit Terroristen auf Schmusekurs, er muss zeigen, dass er intensiv verhandelt und Hamas Konzessionen abringt.
Hamas jedoch glaubt, dass es schon viel angeboten habe. „Wir sind  schon mit der 1967er-Grenze einverstanden, die uns nur noch 22% vom historischen  Palästina lässt, sagt mir ein Hamasminister, „Doch jedes Mal, wenn wir einen Kompromiss machen, werden wir als schwach angesehen und will noch mehr von uns haben.“
Diese verfahrene Situation droht ein Versäumnismodus zu werden – bei dem beide Seiten nichts erreichen. Die aktuelle Aufgabe wäre, einen Deal auszuarbeiten, der gegenseitiges Vertrauen aufbaut und Obama den Impuls gibt, den er benötigt, um seine Bemühungen voran zu bringen, den Siedlungsbau einzufrieren und dann abzubauen.

Die Obama Regierung könnte die Sackgasse durchbrechen, indem sie  über ein Problem, das für die Hamas von größter Bedeutung ist, interveniert: die anhaltende Verhaftung seiner demokratisch gewählten Parlamentarier. Nachdem die Hamas 2006 die Wahl gewonnen hatte, die von unabhängigen Beobachtern als frei und fair bestätigt wurden, verhaftete Israel 52  dieser siegreichen Kandidaten. Solche offensichtliche Nichtbeachtung  der Rechtsvorschriften half denen innerhalb der Hamas zur Macht, die behaupteten, dass Israel nur die Sprache der Gewalt versteht.
Genau wie Israel den Segen  für die Siedlungserweiterung von der Bush-Regierung bekommen hat, so hat es grünes Licht für die Verhaftung der Hamasleute bekommen. Obama hat sich von der Politik (der genehmigten Siedlungserweiterung) distanziert. Er sollte sich nun auch von der anderen Politik distanzieren.
Für die Entlassung von  den 36 noch immer verhafteten Parlamentariern, sollte die Hamas öffentlich in einem umfassenden Abkommen zusichern, dass es israelische Zivilisten nicht mehr angreift und fünf Jahre lang  keine Angriffe über die Grenze hinweg durchführt. Dies ließe zu, dass Frieden Wurzeln fassen und  für die Konfliktparteien Raum schaffen könnte, um an einer Endstatuslösung zu arbeiten.
Obamas Eloquenz, Intelligenz und Anständigkeit werden helfen, eine Nahostlandschaft  wieder herzustellen, die während der letzten acht Jahre durch Missherrschaft ruiniert worden ist. Der augenblickliche Nahostgesandte George Mitchell handelte einen historischen Frieden mit Nord-Irland aus, indem er Sinn Fein in die Verhandlungen mit einbezog. Obama kann  mit einem  ähnlichen Schritt zu einem Durchbruch der Gespräche verhelfen. Eine Maßnahme, die Hamas an den Verhandlungstisch bringt, ist unerlässlich, sonst würde der gute Willen aus der Kairo-Rede  sich auflösen wie Neinsager schließen, dass der amerikanische Präsident trotz seiner guten Worte genau so wenig in der Lage ist, sich gegen die Kongresskritiker und die Israel-Lobby durchzusetzen wie seine Vorgänger.
Eyad El-Sarraj, Baltimore Sun, 3.8.09

Dr. Eyad El-Sarraj ist der Gründer und Präsident des Gaza-Programmes für geistige Gesundheit und ein Ausschussmitglied der Palästinensischen unabhängigen Kommission für Menschenrechte.
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