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Revision eines Geschichtslehrmittels in Israel Drucken
Umstrittener Vorstoss des Erziehungsministers

Die Gründung des Staates Israel soll in arabischsprachigem Lehrmaterial nicht länger als Katastrophe bezeichnet werden. Der Vorstoss des Erziehungsministers löste eine Welle der Kritik aus.
sme. Jerusalem, 24. Juli

Der israelische Erziehungsminister Gideon Saar vom rechtsgerichteten Likudblock hat diese Woche angekündigt, dass die Gründung des Staates Israel in Schulbüchern nicht länger Nakba genannt werden soll. Erst 2007 hatte Saars Vorgängerin Yuli Tamir von der Arbeitspartei eine entsprechende Passage in arabischsprachige Lehrbücher für die dritte Grundschulklasse einfügen lassen. «Die Araber nennen den Krieg Nakba - den Krieg der Katastrophe, des Verlustes und der Demütigung -, und die Juden nennen ihn Unabhängigkeitskrieg», lautet der entscheidende Satz. Es gebe keinen Grund, warum der offizielle Lehrplan die Gründung des Staates Israel als Holocaust oder Katastrophe darstellen sollte, begründete Saar sein Vorgehen. Der Begriff fördere bei der arabischen Minderheit den Extremismus. Die Politik Tamirs, deren Arbeitspartei nach wie vor in
der Regierung sitzt, sei ein Fehler gewesen.

Änderung der Ortsschilder geplant

Die Schulbuch-Korrektur ist nur eine von mehreren umstrittenen Änderungen, welche die neue rechtsgerichtete Koalition von Ministerpräsident Netanyahu derzeit vorantreibt. Der
Verkehrsminister Yisrael Katz hat unlängst angeordnet, dass alle Ortsschilder künftig direkt aus dem Hebräischen übersetzt werden sollen. Schilder sind in Israel für gewöhnlich dreisprachig:
hebräisch, arabisch und englisch. Künftig würde zum Beispiel bei Jerusalem in allen drei Sprachen nur noch das hebräische «Yerushalayim» geschrieben und nicht mehr «Jerusalem» oder «Al-Kuds». Ausserdem sollen Gruppen oder Einrichtungen, welche die Nakba als Trauertag begehen, künftig keine staatlichen Gelder mehr erhalten. Nakba bezeichnet die Niederlage, Flucht und Vertreibung von 700 000 Palästinensern während des ersten israelisch-arabischen Krieges von 1948. Die Nakba wird von den Palästinensern jedes Jahr als Trauertag begangen und ist zum politischen Kampfbegriff geworden. Die Flüchtlingsfrage ist eines der Schlüsselprobleme des Nahostkonflikts. Die Zahl der Flüchtlinge und ihrer Nachkommen beträgt heute vier Millionen Personen. Dürften alle, die aus dem Gebiet des heutigen Israel stammen, zurückkehren, hätte der jüdische Staat nicht länger eine jüdische Mehrheit.

Eine taktische Dummheit

Die Anweisung eines israelischen Ministers werde nicht die palästinensische Geschichte abschaffen, schimpfte Ahmed Tibi, ein arabischer Parlamentsabgeordneter der Knesset. Es sei ein Versuch, Geschichte umzuschreiben und sicherzustellen, dass es nur eine Geschichtsdeutung gebe, nämlich die zionistische. Doch die Kritik kommt nicht allein von arabischer Seite. Auch der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk holte umgehend zu einer scharfen Verurteilung aus. Er erinnere sich an die Nakba, liess sich der 79-Jährige vernehmen. Er habe weit mehr davon gesehen als der Erziehungsminister. Saar ist erst 42 Jahre alt. Der Erziehungsminister solle der Jugend beibringen, heldenhaft zu sein, indem er sie lehre, dass dieser Krieg auch Verlierer hatte, sagte Kaniuk. Die Verlierer hätten kein eigenes Land, aber hätten ihre eigene Geschichte. Kein Erziehungsminister könne einem geschlagenen Volk diese mächtige Erinnerung nehmen.
Der israelische Historiker Gabi Taub von der Hebräischen Universität in Jerusalem bezeichnete die geplanten Schulbuch-Änderungen als eine ausgesprochene Blödheit und als völlig
kontraproduktiv. Der israelische Staat gewähre den verschiedenen Minderheiten normalerweise ein hohes Mass an Autonomie, nicht nur der arabischen, sondern beispielsweise auch den ultraorthodoxen Juden. Nur bei groben Regelverstössen werde eingegriffen. Der Vorstoss Saars sei nicht nur moralisch ungerechtfertigt, sondern auch taktisch dumm. Er spiele nur denen in die Hände, die Israel gerne als rassistischen Staat darstellen. Dass auch arabische Schulbücher mit antisemitischer und einseitiger Propaganda voll seien, wie rechte Israelis gerne anführen, sei keine Rechtfertigung. Denn das seien nicht jene Standards, die für einen demokratischen Staat gälten.
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