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Keine Schonfrist vor Siedlergewalt in Sicht Drucken

Paul Adrian Raymond (EAPPI)  10.11.08

http:// electronicintifada.net/v2/article9944.shtml

Maskierte jüdische Siedler versammeln sich in der Nähe eines illegalen Siedlungsaußenposten in der Nähe Hebrons am 31. Oktober. Ich gehörte zu einer Gruppe von Journalisten und Friedensaktivisten, die von Steine werfenden israelischen Jugendlichen in einem Olivenhain nahe Hebron angegriffen worden waren. Zum Glück wurde ich nicht getroffen. Für Hazem Bader, einen palästinensischen Fotografen, der für eine französische Presse-Agentur arbeitet, ging es nicht so glücklich aus. Er hatte eine Wunde am Kopf, die mit 8 Stichen im Krankenhaus genäht werden und wo er eine Nacht bleiben musste.

Der unmittelbare Auslöser für den Vorfall war die Auflösung eines nicht lizenzierten Baus in der Siedlung von Khirsana am letzten Donnerstagabend. Die Bewohner von Khirsana, einem Ableger der berüchtigten Kiryat Arba-Siedlung mitten in Hebron, reagierten mit einem nächtlichen Angriff auf in der Nähe liegende palästinensische Häuser und warfen Hunderte von Steinbrocken, warfen Fenster ein und beschädigten die Wasserleitungen.

Vor Kurzem besuchte ich die Dana-Familie mit Mitgliedern des Hebroner Teams der Ökumenischen Begleiter (EAPPI), einer Organisation, die gefährdeten palästinensischen Gemeinden schützende internationale Präsenz gibt. Die Danas leben direkt neben der so genannten Sicherheitsbarriere, ein Zaun oder eine Mauer, die von der israelischen Regierung gebaut wurde, um seine Bürger vor Angriffen palästinensischer  Militanter zu schützen. Ironischerweise haben die Siedler bei den nächtlichen Unruhen mehrere Teile des Zaunes zerstört, damit sie das Danahaus besser angreifen konnten.

Als wir uns den Schaden an der Wasserleitung ansahen, begann sich eine Gruppe maskierter Jugendlicher auf der israelischen Seite des jetzt zerstörten Zaunes in der Nähe des beschädigten Hauses zu versammeln. Fotografen verschiedener Agenturen waren anwesend, um den Vorfall festzuhalten. Ich verbarg mich in einem kleinen Olivenhain und bemerkte, dass israelische Polizei in der Nähe war, aber nicht näher kam und anscheinend auch nicht die Absicht hatte, den bevorstehenden Angriff zu stoppen. Als sich die Fotografen den Siedlern näherten, fingen die letzteren mit dem Steine Werfen an. Mein Beobachtungspunkt war nahe dran und die Steinbrocken fielen rund um mich und brachen Zweige. Ich kehrte schnell ins Danahaus zurück und versuchte auch dort, den Steinen auszuweichen. Etwas später wurde der palästinensische Fotograf ins Krankenhaus gebracht und die Siedler gingen weg.

Glücklicherweise dauerte dieser besondere Vorfall nur wenige Minuten und nur eine Person wurde verletzt. Doch gibt es einen zunehmenden Trend von Gewalt unter israelischen Siedlern auf der Westbank gegen Palästinenser und gegen Mitglieder des israelischen Militärs. Der israelische noch geschäftsführende Ministerpräsident Ehud Olmert stellte am Sonntag fest, dass es eine nicht unbedeutende Gruppe von "Outlaws" gibt, die sich so verhalten, dass sie die Rechtsstaatlichkeit bedrohen. Das ist eine unerträgliche Situation, die wir nicht akzeptieren können.

Die israelische Regierung, die seit der Besetzung 1967 zum Siedlungsbau in der Westbank ermutigt hat und dabei das Völkerrecht verletzte, bestätigte am Montag, dass sie Siedlungsaußenposten entfernen wolle. Dies seien Bauten, die internationale Abkommen verletzen, ohne offizielle Genehmigung seien und gegen das israelische Gesetz, aber mit schweigendem Einverständnis der israelischen Behörden errichtet wurden. 2005 fand eine israelische Regierungsuntersuchung heraus, dass staatliche Behörden mit der Siedlungsbewegung gemeinsame Sache machten, um mehr als 100 Außenposten in der Westbank zu errichten und 17 Millionen US$ für solche Projekte zwischen 2000 und 2004 bereit stellten.

Jetzt jedoch hat Olmerts Regierung verkündet, dass alle öffentlichen Gelder und Unterstützung für illegale jüdische Siedlungsentwicklung in der Westbank gestrichen werden - als Reaktion auf ein unerträgliches Anwachsen der Gewalt gegen die israelischen Sicherheitskräfte. ((Und  gegen die Palästinenser ?? ER)) die Siedlungsbewegung sagt, sie habe eine ‚Preisschild'-Politik, bei der die Auflösung von Außenposten Vergeltungsakte zur Folge haben werden. Während mehrere Mitglieder der israelischen Polizei und Armee bei solchen Angriffen  verletzt worden sind, werden lokale Palästinenser als viel einfachere Ziele angesehen, da sie unbewaffnet sind und von israelischen Behörden nicht geschützt werden.

Die nächsten Monate werden deshalb wahrscheinlich eine Zeit der Spannungen zwischen der Regierung und den Siedlern  sein, die in der Vergangenheit ihren Ausweg in politischen Morden suchten, um ihre Ziele zu erreichen. Für die Dana-Familie und andere Palästinenser, die in der Nähe von jüdischen Siedlungen leben, scheint es keine Gnadenfrist zu geben, solange sie darum kämpfen, ein normales Leben zu führen.

(Paul Adrian Raymond arbeitet in Yanoun, nahe Nablus, für das EAPPI- Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen (www.eappi.org), das mit seiner internationalen Präsenz Palästinensern Schutz geben möchte und Kampagnen für eine gerechte Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts durch Anwendung des Völkerrechtes durchführt. Vor kurzem graduierte Raymond in Arabisch und Nahost-Studien an der Leeds-Universität in Großbritannien)

 (dt. Ellen Rohlfs)

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