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Free Gaza die Dritte: Europäische Parlamentarier an Bord Drucken
Anis Hamadeh, 08.11.2008

Am heutigen Samstag um 9.15 Uhr Ortszeit erreichte die "Dignity" den Hafen von Gaza nach einer weitgehend ungestörten Bootsfahrt von Larnaca, Zypern. Es ist die dritte erfolgreiche See-Aktion des internationalen Free Gaza Movement. Im August hatten die ersten beiden Boote den abgeschotteten Gaza-Streifen erreicht, im Oktober gelang die zweite Reise. Eine Sensation, denn seit 1967 war kein freies Schiff oder Boot dort gelandet. Wegen des hohen Medieninteresses und der Entschlossenheit der Passagiere - unter ihnen auch Juden und israelische Staatsbürger - konnte die Quasi-Besatzungsmacht Israel die gewaltlosen Aktionen nicht stoppen, mit denen die Blockade des Gazastreifens aufgeweicht wird. 1,5 Millionen Bewohner leben in diesem dicht besiedelten Gebiet unter menschenunwürdigen Bedingungen. Auch die schutzlosen Palästinenser in der Westbank sind von der stark gewalttätigen Militärpolitik der Besatzungsmacht betroffen. Unter den 23 Passagieren und Crew-Mitgliedern der dritten Free-Gaza-Reise sind elf europäische Parlamentarier, denen zuvor die Einreise über die Grenzstadt Rafah verweigert worden war. "Ich bin hier, um die humanitäre Situation in Gaza einzuschätzen, besonders die medizinische. Wir haben einige Medikamente und medizinische Geräte mitgebracht", sagte Baronin Jenny Tonge, eine der Parlamentarierinnen. "Es ist empörend, wenn Israel alle internationalen Gesetze bricht. Kein anderes Land kann sich so etwas erlauben." Auch Ägypten steht in der Kritik. Die britische Abgeordnete Clare Short betont: "Die ägyptische Weigerung, uns den Rafah-Grenzübergang passieren zu lassen, ist eine Beleidigung für uns alle. Ägypten sollte die Grenze jetzt öffnen." Lord Nazir Ahmad, Vorsteher der europäischen Delegierten, bestätigt dies und drückte in einer Presseerklärung seine Entschlossenheit aus, die Blockade zu überwinden.  

Die "Dignity" brachte außerdem Post nach Gaza, von Freunden und Verwandten aus aller Welt. Es war das erste Mal seit vielen Jahren, dass Briefe frei nach Palästina gelangt sind, ohne durch die Hände der Besatzungsmacht zu gehen. Ebenfalls an Bord war die israelische Journalistin Amira Hass. Sie hatte länger in Gaza gelebt und geschrieben, bis ihr der Aufenthalt vor zwei Jahren untersagt worden war.

Kurz bevor die Dignity in die Gewässer von Gaza einlief, kam es zu einem Zwischenfall. Ein israelisches Kanonenboot näherte sich, schob sich vor das Free-Gaza-Boot, fiel dann dahinter zurück und verfolgte es etwa eine Stunde lang. Schließlich funkte das Militärboot und fragte die Dignity, wer an Bord sei und wohin sie fahren. Huwaida Arraf, an jeder der drei Reisen teilnahm, ging an den Apparat und das Kanonenboot fragte nach der Passagierliste. "Unsere Passagiere stehen aufgelistet und für jeden zu sehen auf der Free Gaza Website www.freegaza.org", sagte sie, "Sie können uns gern jederzeit dort besuchen. Und wenn Sie schon mal da sind, können Sie vielleicht gleich eine Spende geben."

Die Stimme am anderen Ende blieb erst stumm, dann lachte sie und sagte: "Ich wünsche einen schönen Tag." Daraufhin drehte das Militärboot ab und die Dignity setzte ihren Weg fort und fuhr der jubelnden Menge entgegen, die sie am Hafen erwartete. Geschafft! Den Parlamentariern steht nun viel Arbeit bevor: Bei Ortsterminen und in Gesprächen werden sie sich aus erster Hand über die derzeitige Lage informieren.
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