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Bethlehem hofft auf entspanntere Weihnachten
Weltweit wird Bethlehem, der Geburtsort Jesu, zur Weihnachtszeit ins Gedächtnis gerufen. Ob alle Christen, die die Friedensbotschaft Jesu feiern auch an die palästinensische Kleinstadt mit ihren 30.000 Menschen denken, ist mehr als fraglich. Bethlehem, gerade zehn Kilometer von Jerusalem entfernt, wird von der Palästinensischen Autonomiebehörde regiert und leidet seit vielen Jahren unter den Auswirkungen und Restrektionen der israelischen Besatzung.
Wie geht es den Menschen speziell in Bethlehem nach zwei Jahren Krieg und unter anhaltender israelischer Besatzung? Und wie kann man in dieser Lage feiern?
Für mich als Kind und Jugendlicher, der dort aufwuchs, wäre das Weihnachtsfest ohne strahlende Lichter an einem riesigen Weihnachtsbaum auf dem Sternen-Platz vor der Geburtskirche undenkbar gewesen.
Zwei Jahre lang hat man kriegsbedingt und im Gedenken der vielen getöteten Menschen in Gaza und in der Westbank auf die traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten verzichtet. Der Rückgang und der Ausfall von Einnahmen durch den Tourismus, auf den viele Menschen in Bethlehem angewiesen sind, hat viele Familien in die Armut gebracht.
Noch immer sind die meisten Hotels geschlossen. In den Restaurants der Stadt herrscht wenig Betrieb und viele der traditionellen Souvenirläden haben die Eisenrollläden heruntergelassen. Selbst in der Geburtskirche mit ihrer Grotte, in der ein silberner Stern auf weißem Marmor den Ursprungsort der Christenheit markiert, herrscht eine ähnliche Leere wie in den Gassen der Altstadt. Noch 2019, als Bethlehem einen neuen Tourismusrekord brach, verlängerten die Kirchenführer die Öffnungszeiten der Kirche, um des Andrangs Herr zu werden.
Die Stadt Bethlehem, die traditionell von einem christlichen Bürgermeister regiert wird, beendete diese auferlegte Zurückhaltung. Am 6. Dezember 2025 gab es wieder einen Weihnachtsmarkt auf dem Krippenplatz, und auch die Lichter am zentralen Weihnachtsbaum wurden entzündet und strahlten jetzt nach alter Tradition. Dennoch nahmen die Bethlehemer und Christen im Heiligen Land die Nachricht der Stadt mit verhaltener Freude. Nun hoffen die Souvenirverkäufer, Hotelier und Gastronomen auf die ersten Touristen und dass es der Bevölkerung besser gehe. Eine Hoffnung, die von einem fragilen Waffenstillstand im Gazastreifen abhängt.
Die Stadt des Friedens benötigt wie ganz Palästina einen gerechten Frieden!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen eine frohe Weihnacht und ein friedliches neues Jahr.
Ihr Nazih Musharbash


