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Stoppt die Razzien Drucken
ABDULLAH ABU RAHME
Ansprache auf der Freitagsdemonstration, 14. August 2009


Mein Westbank-Dorf Bil’in, ein Zentrum des gewaltfreien Widerstands seit fast fünf Jahren, ist seit zwei Monaten Zielscheibe nächtlicher Razzien des israelischen Militärs. Die Razzien haben das Ziel, unsere gewaltfreien Demonstrationen gegen die Konfiszierung unserer Länderereien für den Bau der Mauer und der Siedlungen Israels zu beenden.

Am 3 August bekam ich um 4:00 morgens einen Anruf von meinem Freund Mohammed Khatib, einem der Mitglieder des Bil’iner Bürgerkomitees gegen Mauer und Siedlungen. Mohammed sagte, dass israelische Soldaten sein Haus umstellten und dabei seien es zu betreten. Ich sprang von meinem Bett auf und rief einige der internationalen Freiwilligen, die im Dorf waren, und wir gingen zusammen zur Dorfmoschee.
200 israelische Soldaten waren in unser kleines Dorf eingedrungen. Wo immer ich mich hinwandte, standen sie vor mir. Ich fuhr fort mit Mohammed am Telefon zu sprechen und er sagte mir, dass sie sein Haus durchsuchen und unzählige Fragen stellen würden. Bei meinem letzten Anruf, hörte ich, wie die Soldaten ihm befahlen, sofort aufzulegen. Zehn Minuten später rief ich bei Mohammeds Familie an. Sie sagten mir, er sei festgenommen.
Mohammed wird seitdem beschuldigt, zur „Störung der Sicherheit des Gebiets“ „aufzuhetzen“ und Steine geworfen zu haben. Er kam im Gefängnis mit Adeeb Abu Rahme, einem anderen führenden Aktivist des Bil’iner gewaltfreien Widerstands zusammen, der wegen desselben Delikts der Aufhetzung seit dem 10. Juli festgesetzt ist. Weitere 16 Einwohner von Bil’in blieben ebenso im Gefängnis.
Ausgehend von einer langen Geschichte des palästinensischen gewaltfreien Widerstands, begann unser Dorf Ende 2004 mit friedlichen Protesten gegen die Pläne Israels seine Westbank-Mauer durch Bil’in zu führen, und das Dorf von 50% seiner Ländereien für eine israelische Siedlung abzuschneiden. Seit dem kamen Tausende israelische und internationale Unterstützer zu den wöchentlichen Protesten nach unserem Freitag-Mittag-Gebet.
Wir kämpften überdies gegen die Abtrennung unseres Landes vor den Gerichten. In Erwiderung unserer Anrufung des Obersten Gerichtshofs Israels 2007, wurde entschieden, dass die Mauer in Bil’in weiter nach Westen verschoben werden müsse. Eine Änderung, die wenigstens einen Teil unseres Landes vor der Konfiszierung bewahrt hätte. Das – inzwischen vor zwei Jahren – gefällte Gerichtsurteil ist von der Regierung Israels immer noch nicht implementiert worden. Im Jahre 2008 strengte das Dorf ein Gerichtsverfahren wegen Kriegsverbrechen gegen zwei kanadische Unternehmen, Green Park und Green Mount an, die Siedlungen auf den Ländereien unseres Dorfs bauen. Die jüngsten nächtlichen Razzien begannen, als die Anhörung des Falls in Montreal begann. Mohammed Khatib wurde einige Wochen, nachdem er  aus Kanada zurückgekehrt war, wo er als Zeuge vor Gericht aufgetreten war, festgenommen.
Mohammed wurde festgenommen, weil die Regierung Israels unseren gewaltlosen Widerstand fürchtet und nicht will, dass er sich in andere Regionen der Westbank ausbreitet.  
Im Jahr 2005 machten sie dasselbe mit mir. Sie inhaftierten mich dreimal. Aber unser gewaltlose Widerstand ging dennoch weiter.
Bei einer Protestdemonstration am 15. Juli 2005 hüllten wir uns selbst in großen Stützen ein, die wie Brückenpfeiler aussahen. Darüber war ein Spruchband mit dem Slogan “Frieden braucht Brücken nicht Mauern” angebracht. Die Soldaten zeigten uns an und nahmen uns fest. Sie behaupteten, dass ich die Absicht gehabt hätte, einen Soldaten anzugreifen, obwohl meine Hände und Füße von unserem Stützen umhüllt waren. Ich wurde festgenommen, weil ich „Nein“ zum Raub meines Landes sagte.
Im Gefängnis wurde mir klar, dass Rassismus und Unrecht der Kern der Besatzung sind. Der Richter ließ die Anklage wegen eines Angriffs fallen. Unser Videomaterial zeigte klar, dass wir nur wegen unseres Protests auf einer Straße unseres eigenen Dorfs geschlagen und festgenommen wurden. Ich wurde am 1. August 2005 unter der Bedingung entlassen, dass ich mich für Monate nicht an Protesten beteilige. Ich hoffe, dass Mohammed und die anderen Gefangenenen aus Bil’in ihre Freilassung erreichen werden, wie ich damals auch.
Am Donnerstag legte der Staatsanwalt ein Foto vor, das Mohammed beim Steinewerfen zeigen sollte sowie eine Zeugenaussage von einem der Dorfjugendlichen, die zur Zeit in ihrem Gewahrsam sind, die die Anschuldigung stützte. Der Anwalt von Mohammed konnte jedoch anhand seines Passes beweisen, dass Mohammed am Tag, an dem das Foto gemacht wurde, gar nicht im Lande war. Am Sonntag wird der Militärrichter entscheiden, ob Mohammed bis zum Ende seines Verfahrens im Gefängnis bleiben wird.
In den letzten Monaten verschärft die israelische Regierung ihre Repressionen gegen Proteste wegen Landraub auch in Dörfern wie Nil’I, Al Masara und andere Westbankgemeinden.
In Bil’in wie in anderen palästinensischen Gemeinden, ist es keine Frage, dass wir überdauern und auf unserem Land bleiben werden, trotz der Verletzungen, Todesfälle und Inhaftierungen.
Aber wir geben den vielen Menschen, die fragen, wo ist der palästinensische Ghandi und warum praktizieren Palästinenser keine Gewaltfreiheit zu verstehen, dass es viele palästinensische Ghandis gibt, von denen sie nie gehört haben.. Trotz aller israelischen Anstrengungen uns zu vertreiben, auf unserem Land zu bleiben, erfordert täglich Tausende gewaltfreie Handlungen.
Aber um erfolgreich zu sein und unsere Freiheit zu gewinnen, brauchen Palästinenser überall Ihre/Eure aktive Unterstützung, wie wir sie in Bil’in haben und brauchen, um Israels systematische Versuche zu überwinden, jede Form des palästinensischen Widerstands zu zerschlagen.
Abdullah Abu Rahme ist Lehrer und der Koordinator des Bil’iner Bürgerkomitees gegen die Mauer und gegen Siedlungen  
For more information, please contact:
Abdullah Abu Rahama- the popular committee against the wall coordinator\ Bil’in
www.bilin-village.org

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