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Der Unsinn der Mauer Drucken
Domradio - 3.3.2007
Deutsche Bischöfe im Heiligen Land: Erschütterung über Trennmauer - Kölner Kardinal Meisner erinnert an DDR


Kirchliche Würdenträger hinter Beton. Die Pilgerreise ins Heilige Land führte die katholischen deutschen Bischöfe am Samstag in den Schatten der acht Meter hohen Mauer, die Bethlehem einschnürt. Mehrere Bischöfe zeigten sich sichtlich erschüttert: Der Kölner Kardinal Joachim Meisner verglich den rund acht Meter hohen Bau mit der Berliner Mauer: "So etwas kann nicht bleiben", sagte er wörtlich. Wie die Berliner Mauer überwunden worden sei, werde auch diese Mauer wieder fallen.
"Herab aufs Niveau Gottes" Viele Bewohner haben die Geburtsstadt Jesu seit Jahren nicht verlassen. Für die meisten Palästinenser endet der Weg am Checkpoint. Der Bischofsbus wird durchgewunken - Vorzugsbehandlung für die Gäste aus Europa.

Die Geburtsbasilika, älteste Kirche des Heiligen Landes, ist fast menschenleer, als die Bischöfe eintreffen. Ihr erster Weg führt sie in die Grotte, in der nach der Tradition Maria Jesus gebar: "Um den Geburtsstern zu berühren, müssen wir uns herablassen auf das Niveau Gottes", beschreibt der Hamburger Erzbischof Werner Thissen während der anschließenden Messe das Paradox. In Bethlehem sei die Weihnachtsbotschaft "entblößt von allen bei uns üblichen Weihnachtsbräuchen", gerade darum aber besonders deutlich vernehmbar. "Gott, der ein hilfloses Kind wird, lehrt uns das hoffen, auch gegen alle Hoffnung. Gerade wenn man sieht, was hier passiert."

Solidarität zeigen
Solidarität zu zeigen mit den Christen im Lande Jesu, das ist Hauptanliegen der Bischöfe auf ihrer am Sonntag endenden Pilgerreise. Die Christen stellen gerade noch 30 Prozent der Einwohner Bethlehems. Vor zwei Jahrzehnten waren es noch doppelt so viel. Durch das Ausbleiben der Pilger seit Beginn der Intifada ist die Wirtschaft fast komplett zum Erliegen gekommen - ein wichtiger Grund für die Abwanderung gerade der christlichen Bevölkerung.

Die Bischöfe gehen mit gutem Beispiel voran und nehmen sich Zeit, in den christlichen Souvenirläden rund um den Krippenplatz einzukaufen. Mit einem Schwung von Olivenholzkreuzen und kleinen Madonnenfiguren im Taschenformat kehrt der Kölner Kardinal Joachim Meisner zur Gruppe zurück: "Ich habe ganz bewusst hier eingekauft, um die Menschen in ihrer schwierigen Lage zu unterstützen."

Beim Besuch der Katholischen Universität von Bethlehem hat die Gruppe Gelegenheit, den Lehrenden und Studierenden zuzuhören. Immer wieder dieselbe Geschichte: Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit macht ein normales Leben unmöglich. Arbeitslosigkeit und finanzielle Not sind groß. Shatah, Englisch-Studentin, beschreibt ihre Zukunftsaussichten: "Wir müssen jede Arbeit annehmen, die wir finden, um unsere Familien zu unterstützen. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist hart, deshalb arbeiten wir für wenig Geld." Aber es gibt auch positive Eindrücke: Das Niveau der Ausbildung an der Universität ist hoch, der interreligiöse Dialog lebendig. Von den 2.600 Studierenden sind 67 Prozent Muslime, einmalig für eine Katholische Universität.

Im Caritas-Babyhospital: "Beklemmend", sagt Becker
Zu Bethlehem gehört eine Begegnung mit Kindern: Im Caritas-Babyhospital bleibt der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker neben einem Brutkasten in der Frühgeborenen-Abteilung stehen. Die Ärzte berichten von den widrigen Umständen, unter denen das Kinderkrankenhaus arbeitet, und von der Not der Familien. "Beklemmend", sagt Becker. Seinen Amtsbrüdern geht es nicht anders. Auf dem Rückweg nach Jerusalem führt ein spontaner Abstecher zum griechisch-katholischen Immanuel-Kloster direkt an der Mauer. Die sechs Schwestern dort beten regelmäßig den Rosenkranz für den Frieden, die Bischöfe schließen sich ihnen heute dankbar dabei an. Die Mauer durchschneidet den Klostergarten.

Knapp zehn Bischöfe wagen noch einen kurzen Abstecher an den Fuß der mit Graffitis besprühten Betonplatten. Kardinal Meisner ist einer von ihnen: "Für mich ist das ein Albtraum", sagt er. "So etwas macht man mit Tieren, nicht mit Menschen." Aber er ist überzeugt, dass die Gebete und der Einsatz der Kirche nicht ohne Wirkung bleibt: "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern", zitiert der frühere Berliner Bischof die Psalmen. "Diese Mauer wird fallen - wie die Berliner Mauer."

Auch auf dem Rückweg winken die Soldaten den Bischofsbus durch den Checkpoint. An diesem Sonntag steht die Heimreise an. Die Oberhirten nehmen die Bitte der palästinensischen Chefärztin des Kinderkrankenhauses mit durch die Sperren: "Sagen Sie den Deutschen, dass hier Palästinenser sind, die sich nach Frieden sehnen", drängte Hiyam Marzodqa. "Sagen Sie ihnen, dass wir in Not sind. Durch die Mauer fühlen wir uns weit weg von allem und abgeschoben." Aber die Ärztin dankte auch im Namen aller Einwohner Bethlehems: "Ihr Besuch hat uns gezeigt, dass wir nicht vergessen sind."
(dr,KNA)

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