Palästina Journal
Home
Hintergrundberichte
Kommentare
Stellungnahmen
Aufrufe
Zahlen & Fakten
Buchtipps
Features & Interviews
Palästina-Journal (PDF)
DPG
Über uns
Kontakt
Regionalgruppen
Mitglied werden
Impressum
Services
Veranstaltungskalender
Info-Service
Gästebuch
Links
 
Zu: BZ-Artikel vom 20.08.2008: "Ist Kritik an Israel antisemitisch?" Drucken
"Evelyn Hecht-Galinski klagt gegen den Publizisten Henryk M. Broder (Mechthild Blum)"

In seiner polemischen Art kanzelt Henryk M. Broder Frau Evelyn Hecht-Galinski als "hysterische und geltungsbedürftige Hausfrau" ab und wirft der Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland öffentlich "antisemitisch-antizionistische Gedankenlosigkeiten" vor. Wer auf der Beachtung des Internationalen Rechts und humanistischer Prinzipien besteht wird von den Verteidigern der israelischen Okkupationen in Cisjordanien, Syrien und dem Libanon auch schon mal als Kretin, Selbsthasser, Terrorversteher oder antisemitische Schlampe verunglimpft. (Immerhin: Für letzteren Ausfall wurde Broder inzwischen verurteilt!) Der erbittert geführte Streit lässt sich nicht einfach mit privaten Animositäten erklären. Den einflussreichen Kreisen um den Journalisten und Autor Broder dürfte es bei den verletzenden persönlichen Angriffen wie bei den vielen von dieser Seite angestrengten Prozessen nicht um die jeweiligen Personen gehen. Bei den Attacken gegen die Kritiker der israelischen Besatzungspolitik scheint eher die Definitionshoheit über zentrale Begriffe und Inhalte in der geschichtlichen Auseinandersetzung mit unserer jüngsten Vergangenheit im Fokus stehen. Dies dürfte erheblichen Einfluss auf die politische Diskussion im Allgemeinen und die deutsch-israelischen Beziehungen im Besonderen haben. Von daher muss man der BZ-Redakteurin Mechthild Blum dankbar sein, dass sie dem Vorgang die nötige Aufmerksamkeit widmet. Es wäre schön, wenn in Zukunft nicht nur interviewt und berichtet, sondern auch Begriffe, inhaltliche Aussagen und Intentionen erläutert werden könnten. Lehrreich und weiterführend wäre z.B. die Antwort auf die Frage was denn eigentlich Antisemitismus (sei) ist oder fürchtet man bereits damit unter Antisemitismusverdacht zu geraten?

Mit Semiten bezeichnet man eine Sprachfamilie, in der sich unterschiedliche Ethnien vereinen. Wikipedia: "Im Altertum bewohnten Völker, die semitische Sprachen sprachen, die arabische Halbinsel. Völkerwanderungen brachten sie nach Mesopotamien, Syrien und Palästina, Ägypten, Äthiopien und mit der phönizischen Kolonisierung bis an die Küsten des westlichen Mittelmeers." Die Auskunft irritiert: Leben in Palästina nicht die Palästinenser? Also sind Palästinenser, Ägypter und Araber Semiten wie viele jüdische Menschen. Wer gegen Semiten ist, ist also folgerichtig gegen Palästinenser. Dann müssten ja diejenigen in Israel, die die Palästinenser vertrieben, auch Antisemiten sein. Absurd!

Es verblüfft, dass auch die Anwälte vorgeblich israelischer Interessen, bei ihren Versuchen Andersdenkende auszugrenzen und mundtot zu machen undifferenziert auf die Terminologie einer pseudo-wissenschaftlichen Rassentheorie zurückgreifen, die unter den Nazis zu soviel Unheil geführt hat.

Allerdings: Sollte man (da)mit dem unkorrekten Begriff des Antisemitismus eine judenfeindliche Einstellung brandmarken wollen, so gilt, was der israelische Historiker Dr. Meir Margalit am 22.4. in der FAZ in einem ‚Offenen Brief an die Bundeskanzlerin Merkel' schrieb: "Der wirkliche Antisemit ist der, der angesichts der Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten schweigt, da es jedem klar ist, dass die Fortsetzung der Besatzung das Ende des Staates Israels auf sich ziehen wird." Wer Israel liebt, muss Druck ausüben, bis die Besatzung beendet ist", sagt nicht nur Dr. Margalit. Wer schweigt, hilft also mit, dass sich Israel von innen her selbst zerstört. Das sagen inzwischen viele Israelis, die vor Ort hautnah die Tragödie miterleben. Z.B. schrieb David Grossman kürzlich "vom zerstörerischen Zynismus, in dem wir versinken" (Spiegel 7/2008). Auch Herr Olmert sprach (im Januar 2008) davon: "Wenn die Besatzung nicht beendet wird, wird auch der Staat Israel beendet".

Es fragt sich nun, wer die besseren Freunde Israels sind, diejenigen die, wie Frau Hecht-Galinski, mit dem klaren Aussprechen der Wahrheit u.a. über die unmenschliche israelische Besatzung der Westbank und der illegalen Blockade des Gazastreifens versuchen, auch die Selbstzerstörung Israels zu verhindern - oder diejenigen, die meinen, mit der Jagd auf angebliche Antisemiten und übler Diffamierung derselben Israel einen Dienst zu erweisen, damit aber nur belegen, dass es in Deutschland tatsächlich sehr schwierig ist, sich ehrlich und kritisch mit Israels Politik auseinander zu setzen.

Volker O´Barden
79618 Rheinfelden
 
Weiterer Kommentar:

Henryk M. Broder in der Phalanx mit Michael Friedman gehört zu jener Species, die mit orgiastischen Verzückungen wahrnimmt, wie in einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung ihr angeblicher Kampf gegen Antisemitismus zu eben demselben führt. Die Deutschen sitzen in einer historischen Falle und haben es sich aber darin auch gemütlich eingerichtet. Jede Kritik an der israelischen Siedlungspolitik
führt zum Aufschrei: "Seht her, die Deutschen sinds doch!" (Antisemiten). Da wir aber auch immer zusammenzucken, wird sich daran nichts ändern. Broder ist ein Schmarotzer der Zeitgeschichte und der Zentralrat profitiert davon.

"Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch" und die Opfer des Holocaust werden post mortem instrumentalisiert durch selbstgefällige und arrogante Richter wie Herrn Broder, die offene Wunden
mehr schätzen als den Heilungsprozess durch Besinnung und Trauer. Broder ist unfähig zu trauern, denn er erinnert uns Deutsche nicht an das was geschah sondern betäubt den Schmerz und verhindert die Trauer. Die israelische Siedlungs- und Palästinapolitik ist nicht defensiv sondern aggressiv und bedient durch das militärische Machtpotential antisemitische und antiisraelische Bewegungen und Bestrebungen, die fortwährend Böses gebären. Das muss gesagt werden, auch wenn Henry M. Broder den jüngsten Tag herbeizusehnen scheint nach dem Israel keine Feinde mehr hat, weil es um dieses Land herum kein Leben mehr gibt.

Hansjürgen Baum
Schopfheim
< Zurück   Weiter >
 
Spendenaufruf
Veranstaltungskalender
09.06.16 -
Mit dem Freedom Theatre Jenin zu den Brennpunkten in Palästina
KOPI - Online
Nakba-Ausstellung

© 2016 DPG e.V.