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Drei Fragen an … Jalil Schwarz Drucken

Jalil Schwarz ist gebürtiger Palästinenser und arabischer Christ. Er lebt seit 1955 in Deutschland und ist seit langem deutscher Staatsbürger. Man nennt ihn den "Friedenskoch" (www.friedenskoch.de).

Wie kamst Du auf die Idee, Friedenskoch zu werden?
Es ist eine lange Geschichte. Ich werde dennoch versuchen, es kurz zu erklären. Im Jahre 1985 besuchte ich meine Geburtsstadt Ramle bei Yaffa, um das Osterfest dort zu feiern. Auf dem Weg zur Kirche kamen wir an einer verlassenen Bauruine vorbei. Ich fragte meinem Bruder nach diesem Gebäude. Er erzählte mir, dass die orthodoxe Gemeinde bereits im Jahre 1976 angefangen hat, ein Haus der Begegnung zu bauen. Das war für die kulturelle und religiöse Identität der Christen als Minderheit in Israel lebensnotwendig. Durch die nachträgliche staatliche Auflage, das Gebäude mit einem bombensicheren Keller zu untermauern, konnte der Bau aus Kostengründen nicht weiter gebaut werden.

Als ich wieder nach Köln kam, versuchte ich über die Ökumene hierfür Gelder zu beschaffen. Es war leider nicht möglich, da sie anderweitige Verpflichtungen hatten. Daraufhin fragte ich mich: Was kann ich persönlich hierzu beitragen? Daraufhin kam mir prompt die Antwort: Ich könnte das so genannte biblische Linsengericht (Esau - Gericht), das seit Jahrhunderten im ganzen Orient gekocht wird, bei Gemeindefesten anbieten. Zunächst durfte ich für eine ev. Gemeinde in Köln für 50 Personen kochen. Es hat den Menschen so gut geschmeckt, dass ich von vielen Gemeinden aus ganz Deutschland zum Kochen eingeladen wurde. Ich habe sogar bei verschiedenen Kirchentagen für jeweils 1000 Personen gekocht. In der Zeit habe ich meine Angebote so erweitert, dass man mich sogar für Geburtstage, Hochzeiten etc. zum Kochen eingeladen hat. Durch die Erlöse meine Kochaktionen konnte ich dann der Gemeinde in Ramle beim Bau des Begegnungszentrums und eines Gymnasiums helfen. Am 1.10.1994 wurde das Gymnasium fertig gestellt, eingerichtet und eingeweiht. Es wird von 230 christlichen und 180 muslimischen Kindern besucht.

Am 25.01.2001 erhielte ich für mein Engagement für die Völkerverständigung in Israel und Palästina hier in Köln das Bundesverdienstkreuz am Bande. Einen Tag später schrieb die größte Kölner Tageszeitung einen großen Artikel mit der Überschrift: "Der Friedenskoch aus Ehrenfeld". Seit dem bin ich überall als Jalil, der Friedenskoch, bekannt.

Ein anderes Deiner Projekte ist ein interreligiöser Kindergarten in Deiner Geburtsstadt Ramle bei Jaffa. Wie ist der Stand der Dinge?
Während meiner Besuche in Ramle fiel mir auf, dass die Kluft zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung sehr groß ist. Daher habe ich beschlossen, in Ramle ein Kindergarten für Juden, Christen und Muslime zu bauen. Damit die Kinder von klein an friedlich miteinander leben und aufwachsen können, sich gegenseitig akzeptieren und tolerieren lernen. Es ist nur ein Mosaiksteinchen, das aber dringend gebraucht wird, um den Boden für zukünftige Generationen zu bereiten, auf dem Menschen verschiedener ethnischer Zugehörigkeiten und Religionen gemeinsam friedlich zusammenleben können.

Seit 1994 setzte ich meine Kochaktionen und das Sammeln von Spenden für den Bau des Kindergartens fort. Im Jahre 2003 gründete ich den Verein Abrahamszelt e. V. Zwei Jahre später lernte ich in Ramle den Verein „Shared Life, Partnership, Equality, Peace“ (Gemeinsames Leben, Partnerschaf, Gleichheit, Frieden) kennen, der je zur Hälfte aus Juden und Arabern besteht. Inzwischen haben wir ca. 2/3 der Bausumme zusammengespart. Unser Partnerverein in Ramle erhielt die Zuteilung für ein Grundstück auf Pachtbasis. Dieser Pachtvertrag muss aber noch vom Innenministerium genehmigt werden. Wir hoffen, (inschallah) so Gott will, in absehbarer Zeit die Genehmigung zum Bauen zu erhalten.

Ramle ist Dir und den anderen Einheimischen vor 60 Jahren genommen worden (siehe www.palestineremembered.com/al-Ramla/al-Ramla). Wie denkst Du heute darüber?
Meine Mutter starb, als ich ca. 7 Jahre alt war, daher kam ich in ein Internat in Nazareth. Ende 1947 musste ich leider mit 14 Kindern, die aus Ramle, Jaffa und Lydda stammten, zusammen mit dem Direktor der Schule in den Libanon flüchten, da unsere Städte umkämpft waren. Ende 1954 kam ich nach Köln. Ich durfte mit einem deutschen Pass erst im Jahre 1967 meine Heimatstadt Ramle besuchen.

Heute sind 80 % der Bevölkerung Ramles Juden, die aus Afrika, orientalischen Ländern und Russland stammen. Es ist traurig, dass die arabische Urbevölkerung, die dort lebt, nicht die gleichen Rechte und Pflichten wie ihre jüdischen Nachbarn hat, obwohl sie auch israelische Pässe besitzt. Das vor dem Hintergrund, dass Israel sich als die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ bezeichnet.

Ich möchte das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Es ist gerade für einen demokratischen Staat wichtig, dass alle Bevölkerungsgruppen, gleich welcher Herkunft oder Religionszugehörigkeit, mit denselben Rechten und Pflichten ausgestattet werden, also gleichberechtigt und in Frieden leben können.

(Fragen von Anis für DPG, 22.07.08)

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